Von der
Schönheit der
bewegten
Präsenz

Seit mehreren Jahren beschäftige ich mich in meiner Malerei hauptsächlich mit den Themen Flüchtigkeit, Bewegung und Raum. Ich arbeite in Werkgruppen, die Titel wie Rotation, Unschärfen, Vorüberziehen oder Erscheinungen tragen.

Im Tanz oder auf der Bühne beinhaltet das Erscheinen einen wichtigen Bestandteil der Präsenz, nur wenn vom Akteur Präsenz, das heisst ein authentisches Auftreten geschaffen wird, kann beim Zuschauer ein bleibender Eindruck enstehen.
Dieser Eindruck bildet meine Erinnerung, ist also ein wesentlicher Bestandteil meiner Person. Erinnerungen wiederum sind geprägt von Atmosphären, die ich alltäglich erlebe und ständig benenne. Je stärker meine Präsenz ausgeprägt ist, desto besser erinnere ich Körperzustände, Bewegungen im Raum, Bewegungen zu- und miteinander. Trotzdem erinnere ich meist nur Fragmente. In meiner bildnerischen Arbeit erschaffe ich malerisch dichte Atmosphären.

Meine Inspiration liegt hier besonders im zeitgenössischen Tanz, dem Butoh, der Kampfkunst, aber auch im Tango, auf jeden Fall in der Körperlichen Präsenz und des Ausdrucks der Körper und ihrer Beziehung zueinander. Das beinhaltet auch das Dazwischen, das unsichtbare Feld im Raum, die körperlich wahrgenommene Ausdehnung. Mich beschäftigt meine innere und äußere Bewegung. Die malerisch geschaffenen Unschärfen in den Bildern legen den Fokus aber auch auf die Zeit und die Vergänglichkeit. Ich kann nichts anhalten, aber indem ich es male, manifestiere ich etwas Bleibendes.

Die Malerei interessiert mich nicht nur um ihrer selbst willen, sondern weil sie das Potential hat, auch physische Prozesse wiederzuspiegeln. Sie interessiert mich in ihrem Potential der Wahrnehmungserweiterung durch die Kraft der Farbe und der Körperlichkeit.
Am liebsten arbeite ich großformatig, habe körperbezogene Formate, um einen neuen Raum entstehen zu lassen, den ich „scheinbar” betreten kann und der durch seine Farbigkeit in den Raum wirkt.

Ich male in vielen relativ lasierenden Acryl-Farbschichten, um eine räumliche Tiefe und intensive Farbigkeit zu erzielen. Die Farbe ist mein wichtigster Wegweiser während der Arbeit. Danach kommt der Pinselduktus, der oft sichtbar und nachvollziehbar bleibt.
In Vorskizzen für großformatige Bilder beschäftige ich mich meist mit einer Hauptidee oder bestimmten Körperhaltungen. Das Gemälde an sich entwickelt dann seine eigene Dynamik, es weiß selbst was es will. So gebe ich oft vorgefasstes (bestimmte Perspektiven, Körperhaltungen) wieder auf.

Ausserdem will ich selbst überrascht werden, ich muss selbst einmal durch das Bild durchgetaucht sein, erst dann kann es mich überzeugen.